Zinseszins berechnen: Formel, Beispiele und Rechner

Erik Lindström
Erik Lindström
· 5 Min. Lesezeit
Geprüft von Erik Lindström Zuletzt aktualisiert: 2026-02-25

Der Zinseszins ist die mächtigste Kraft beim Vermögensaufbau. Albert Einstein soll ihn als das achte Weltwunder bezeichnet haben. In diesem Artikel erklären wir die Formel, zeigen Beispiele mit konkreten Zahlen und vergleichen einfache Zinsen mit dem Zinseszins.

Das Wichtigste

  • Zinseszinsformel: K = K₀ × (1 + p/100)ⁿ – Exponentielles Wachstum
  • Je länger die Laufzeit, desto stärker der Zinseszinseffekt
  • Monatliche Zinszahlung bringt mehr als jährliche bei gleichem Nominalzins
  • Regel der 72: Kapitalverdopplung nach ca. 72 / Zinssatz Jahren

Was ist der Zinseszins?

Der Zinseszins (englisch: compound interest) beschreibt den Effekt, dass Zinsen nicht nur auf das ursprünglich angelegte Kapital berechnet werden, sondern auch auf die bereits erhaltenen Zinsen. Mit anderen Worten: Sie verdienen Zinsen auf Ihre Zinsen.

Dieses Prinzip führt zu einem exponentiellen Wachstum Ihres Kapitals über die Zeit. Je länger das Geld angelegt ist und je höher der Zinssatz, desto stärker wirkt der Zinseszinseffekt.

Beispiel: Wenn Sie 1.000 € zu 5 % Zinsen anlegen, erhalten Sie im ersten Jahr 50 € Zinsen. Im zweiten Jahr werden die Zinsen nicht nur auf 1.000 €, sondern auf 1.050 € berechnet – das ergibt 52,50 € Zinsen. Im dritten Jahr sind es bereits 55,13 €. Dieser Effekt verstärkt sich mit jedem Jahr.

Der Zinseszins ist das Kernprinzip des langfristigen Vermögensaufbaus und der Grund, warum frühes Sparen und Investieren so wichtig ist. Selbst kleine monatliche Beträge können über Jahrzehnte zu beachtlichen Summen anwachsen.

Die Zinseszinsformel erklärt

Die mathematische Formel für den Zinseszins lautet:

A = P × (1 + r/n)^(n×t)

Dabei bedeuten die Variablen:

A = Endkapital (Anfangskapital + Zinsen)

P = Anfangskapital (Principal)

r = Jährlicher Zinssatz (als Dezimalzahl, z. B. 5 % = 0,05)

n = Anzahl der Zinsperioden pro Jahr (z. B. 1 für jährlich, 12 für monatlich)

t = Anlagedauer in Jahren

Rechenbeispiel: 10.000 € werden zu 6 % Zinsen jährlich für 20 Jahre angelegt.

A = 10.000 × (1 + 0,06/1)^(1×20) = 10.000 × (1,06)^20 = 10.000 × 3,2071 = 32.071 €

Aus 10.000 € werden nach 20 Jahren also 32.071 € – mehr als eine Verdreifachung des Kapitals, wobei 22.071 € reine Zinserträge sind.

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Zinseszins in der Praxis: Wachstumstabelle

Die folgende Tabelle zeigt, wie sich eine Anlage von 10.000 € bei verschiedenen Zinssätzen und Anlagedauern durch den Zinseszins entwickelt. Alle Berechnungen gehen von einer jährlichen Verzinsung ohne zusätzliche Einzahlungen aus.

Die Zahlen machen den enormen Effekt der Zeit deutlich: Bei 7 % Zinsen verdoppelt sich das Kapital in 10 Jahren und verachtfacht sich in 30 Jahren. Je länger der Anlagehorizont, desto stärker wirkt der Zinseszins – deshalb lohnt es sich, so früh wie möglich mit dem Investieren zu beginnen.

Besonders eindrucksvoll ist der Unterschied zwischen 20 und 30 Jahren Anlagedauer. Bei 7 % Zinsen wächst das Kapital von 38.697 € (20 Jahre) auf 76.123 € (30 Jahre) – fast eine Verdopplung allein durch die zusätzlichen 10 Jahre.

Zinssatz 5 Jahre 10 Jahre 20 Jahre 30 Jahre
2 % 11.041 € 12.190 € 14.859 € 18.114 €
4 % 12.167 € 14.802 € 21.911 € 32.434 €
5 % 12.763 € 16.289 € 26.533 € 43.219 €
6 % 13.382 € 17.908 € 32.071 € 57.435 €
7 % 14.026 € 19.672 € 38.697 € 76.123 €
8 % 14.693 € 21.589 € 46.610 € 100.627 €

Einfache Zinsen vs. Zinseszins im Vergleich

Der Unterschied zwischen einfachen Zinsen und dem Zinseszins wird oft unterschätzt. Bei einfachen Zinsen werden die Zinsen nur auf das Anfangskapital berechnet: A = P × (1 + r × t). Beim Zinseszins werden die Zinsen reinvestiert und mitverzinst.

Die folgende Tabelle vergleicht beide Methoden für eine Anlage von 10.000 € bei 6 % Zinsen:

Nach 30 Jahren beträgt der Unterschied über 29.000 € – das ist fast dreimal so viel wie das Anfangskapital. Dieser Vergleich zeigt eindrucksvoll, warum es so wichtig ist, Zinserträge zu reinvestieren statt auszuzahlen.

Auch bei der Geldanlage in Fonds oder ETFs gilt dasselbe Prinzip: Thesaurierende Fonds (die Dividenden automatisch reinvestieren) profitieren stärker vom Zinseszinseffekt als ausschüttende Fonds, bei denen die Dividenden ausgezahlt werden.

Anlagedauer Einfache Zinsen Zinseszins Differenz
5 Jahre 13.000 € 13.382 € +382 €
10 Jahre 16.000 € 17.908 € +1.908 €
20 Jahre 22.000 € 32.071 € +10.071 €
30 Jahre 28.000 € 57.435 € +29.435 €

Die 72er-Regel: Verdopplungszeit schnell berechnen

Die 72er-Regel (auch Rule of 72) ist eine einfache Faustformel, um abzuschätzen, wie lange es dauert, bis sich ein Kapital durch Zinseszins verdoppelt:

Verdopplungszeit ≈ 72 / Zinssatz

Beispiele: Bei 2 % Zinsen: 72 / 2 = 36 Jahre. Bei 4 % Zinsen: 72 / 4 = 18 Jahre. Bei 6 % Zinsen: 72 / 6 = 12 Jahre. Bei 8 % Zinsen: 72 / 8 = 9 Jahre. Bei 12 % Zinsen: 72 / 12 = 6 Jahre.

Die Regel funktioniert auch umgekehrt: Wenn Sie wissen, in wie vielen Jahren Sie Ihr Kapital verdoppeln möchten, teilen Sie 72 durch die gewünschte Anzahl von Jahren, um den benötigten Zinssatz zu erfahren. Verdopplung in 10 Jahren: 72 / 10 = 7,2 % benötigter Zinssatz.

Die 72er-Regel ist eine Näherung, die bei Zinssätzen zwischen 2 % und 15 % sehr genau funktioniert. Sie ist ein nützliches Werkzeug für schnelle Überschlagsrechnungen und hilft, die langfristige Wirkung verschiedener Renditen einzuschätzen.

Praxistipp: Historisch haben breit gestreute Aktien-ETFs eine durchschnittliche Rendite von etwa 7–8 % pro Jahr erzielt. Nach der 72er-Regel verdoppelt sich ein Investment in solchen ETFs also ungefähr alle 9–10 Jahre.

Häufig gestellte Fragen

Wie berechnet man den Zinseszins?

Die Formel für den Zinseszins lautet: A = P × (1 + r/n)^(n×t). Dabei ist P das Anfangskapital, r der Zinssatz als Dezimalzahl, n die Zinsperioden pro Jahr und t die Anlagedauer in Jahren. Beispiel: 10.000 € bei 6 % für 20 Jahre ergeben 32.071 €.


Wie lange dauert es, bis sich mein Geld verdoppelt?

Nutzen Sie die 72er-Regel: Teilen Sie 72 durch den Zinssatz. Bei 6 % Zinsen dauert es etwa 12 Jahre (72/6=12), bei 4 % etwa 18 Jahre, bei 8 % etwa 9 Jahre bis zur Verdopplung.


Was ist der Unterschied zwischen einfachen Zinsen und Zinseszins?

Bei einfachen Zinsen werden Zinsen nur auf das Anfangskapital berechnet. Beim Zinseszins werden die Zinsen reinvestiert und mitverzinst. Bei 10.000 € und 6 % Zinsen über 30 Jahre ergibt das 28.000 € (einfach) vs. 57.435 € (Zinseszins) – eine Differenz von 29.435 €.

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Quellen

  1. Bundesministerium der Finanzen
  2. Deutsche Bundesbank
Erik Lindström
Geschrieben von
Erik Lindström

Finanzexperte

Wirtschaftswissenschaftler mit über 12 Jahren Erfahrung in der Steuer- und Finanzberatung in Europa. Spezialisiert auf vergleichende Steuersysteme in den nordischen Ländern und der EU.